Auswertung · KI-Barometer
KI-Sichtbarkeit von Anwaltskanzleien: Volatil im Wochentakt, stabil über vier Wochen
Der KI-Barometer hat in den Kalenderwochen 18 bis 21 die Sichtbarkeit von Schweizer Anwaltskanzleien auf sechs öffentlichen KI-Plattformen ausgewertet. Damit liegt eine erste vollständige Messperiode vor, die belastbare Aussagen erlaubt.
Was wir messen
- 6 KI-Plattformen: ChatGPT, Gemini, Copilot, Perplexity, Grok, Google KI-Übersichten
- 9 Schweizer Städte: Zürich, Bern, Basel, Luzern, Zug, St. Gallen, Genève, Lausanne, Lugano
- 7 Rechtsgebiete: Allgemein ("Anwalt"), Mietrecht, Scheidungsrecht, Erbrecht, Arbeitsrecht, Strafrecht, Familienrecht
- 4 wöchentliche Scans, Kalenderwochen 18 bis 21 (2026)
- 1'800 Schweizer Anwaltskanzleien im Datenpool
- 3'889 ausgewertete Nennungen
Fünf Beobachtungen
1. Konsens zwischen den KI-Systemen ist die Ausnahme
Zwei Drittel aller Kanzleinennungen kommen von nur einer KI-Plattform. Nur 14 Prozent der Kanzleien werden von drei oder mehr KIs genannt. Eine einzige Kanzlei wurde in einer Stadt-Rechtsgebiet-Kombination von allen sechs Systemen erwähnt.
Konkret heisst das: Eine Anfrage an eine einzelne KI liefert ein sprunghaftes Bild. Wer Sichtbarkeit ernsthaft messen will, muss mehrere KIs parallel und regelmässig auswerten.
2. Wöchentliche Scores variieren stark
Die wöchentliche Sichtbarkeit einzelner Anwaltskanzleien schwankt erheblich. Der Variationskoeffizient liegt je nach Kanzlei zwischen 19 und 67 Prozent, mit einem Median nahe 50 Prozent.
Eine Kanzlei, die in einer Woche unter den Top 5 erscheint, kann in der nächsten Woche auf Platz 30 oder tiefer rutschen und umgekehrt. Solche Sprünge sind die Regel, nicht die Ausnahme.
Wer heute von einer KI prominent empfohlen wird, kann sich in der nächsten Woche nicht auf dieselbe Sichtbarkeit verlassen.
3. Über vier Wochen aggregiert stabilisiert sich das Bild
Wochenweise schwanken die Zahlen. Über vier Wochen aggregiert sieht es anders aus. Der gesamtschweizerische Wochenscore variiert nur um 16 Prozent. Alle 20 Kanzleien in den Top 20 sind in mindestens drei der vier Wochen erschienen. Das Ranking der sichtbarsten Kanzleien stabilisiert sich.
4. Die Top 10 bleibt fast identisch
Jeder Wochenscan liefert neue Rohdaten. Trotzdem stehen in der Top 10 fast immer dieselben Kanzleien. Sechs der zehn Spitzenkanzleien wurden in allen vier Wochen genannt, alle zehn in mindestens drei Wochen.
5. Grosse Unterschiede nach Stadt und Rechtsgebiet
Je nach Stadt und Rechtsgebiet nennen KIs zwischen 15 und 66 verschiedene Kanzleien, zum Beispiel:
- Zürich, generische Anfrage "Anwalt": 66 Kanzleien
- Lugano, Mietrecht: 15 Kanzleien
Faktor vier zwischen der dichtesten und der dünnsten Kombination. Erklärbar durch Marktgrösse, verfügbare Web-Inhalte und Sprache im jeweiligen Segment.
Wie ist das einzuordnen
KI-Sichtbarkeit ist keine Qualitätsaussage. Sie misst nicht juristische Kompetenz, Mandatserfolg oder fachliche Reputation. Sie spiegelt, was KIs im Web über eine Kanzlei finden können: Website-Inhalte, Verzeichniseinträge, Bewertungen, öffentliche Erwähnungen.
Die wöchentliche Volatilität bestätigt, was über die heutigen Sprachmodelle bekannt ist. Eine einzelne KI-Antwort ist kein verlässliches Auswahlkriterium. Erst die Aggregation über mehrere Systeme und mehrere Wochen liefert ein klares, belastbares Bild.
Medienecho
Die Handelszeitung griff die Auswertung am 21. Mai 2026 in der Print-Kurzmeldung Welchen Anwalt sich die KI nehmen würde auf.
- Aktueller Barometer: ki-barometer.ch/anwaltskanzleien/
- Methodik: ki-barometer.ch/methodik/
- Korrekturen und Prüfhinweise: ki-barometer.ch/feedback/
Medienkontakt
Peter Hadorn, Geschäftsführer WebEvolve
[email protected]
ki-barometer.ch
